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Proteine in Pflanzen(1)

Protein-Hype: Wie viel Eiweiß brauchen wir wirklich?

Protein ist plötzlich überall: im Pudding, im Brot, im Müsli, in Getränken und sogar in Süßigkeiten. Die Aufschrift „High Protein“ vermittelt schnell den Eindruck, ein Produkt sei besonders gesund  und wir könnten eigentlich gar nicht genug Eiweiß zu uns nehmen.

Doch wie viel Protein braucht der Körper wirklich?

Für gesunde Erwachsene zwischen 19 und unter 65 Jahren empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung täglich etwa 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Ein 65 Kilogramm schwerer Mensch benötigt demnach ungefähr 52 Gramm Protein am Tag. Ab 65 Jahren liegt der Schätzwert bei 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Protein ist lebenswichtig. Trotzdem ist mehr nicht automatisch besser – und nicht jedes High-Protein-Produkt ist automatisch eine gute Wahl.

Warum braucht unser Körper Protein?

Proteine, umgangssprachlich auch Eiweiße genannt, gehören zu den Hauptnährstoffen. Sie bestehen aus verschiedenen Aminosäuren und erfüllen im Körper zahlreiche Aufgaben.

Protein wird unter anderem benötigt für:

  • den Aufbau und Erhalt der Muskulatur
  • Haut, Haare und Nägel
  • Enzyme und Hormone
  • das Immunsystem
  • die Erneuerung und Reparatur von Körperzellen

Einige Aminosäuren kann unser Körper selbst bilden. Andere müssen wir über die Nahrung aufnehmen. Sie werden als unentbehrliche oder essenzielle Aminosäuren bezeichnet.

Protein ist deshalb nicht nur für Kraftsportler wichtig, sondern für jeden Menschen.

Wie viel Protein braucht man am Tag?

Der individuelle Proteinbedarf hängt unter anderem von Körpergewicht, Alter, Gesundheitszustand und körperlicher Aktivität ab.

Als Orientierung gelten für gesunde Menschen:

  • Erwachsene von 19 bis unter 65 Jahren: 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag
  • Gesunde Erwachsene ab 65 Jahren: 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag
  • Schwangere und Stillende: abhängig vom Schwangerschaftsabschnitt beziehungsweise von der Stillzeit ein erhöhter Bedarf
  • Intensiv trainierende Sportler: Je nach Trainingsumfang und Trainingsziel kann eine höhere Zufuhr sinnvoll sein.

Proteinbedarf einfach berechnen

Für einen gesunden Erwachsenen unter 65 Jahren lautet die einfache Rechnung:

Körpergewicht in Kilogramm × 0,8 = Proteinbedarf in Gramm pro Tag

Körpergewicht Orientierung pro Tag
55 kg44 g Protein
65 kg52 g Protein
75 kg60 g Protein
85 kg68 g Protein

Diese Werte sind eine allgemeine Orientierung. Bei starkem Übergewicht sollte für die Berechnung laut DGE nicht einfach das tatsächliche Körpergewicht zugrunde gelegt werden.

Bei Erkrankungen, ausgeprägtem Muskelabbau oder besonderen Ernährungsproblemen sollte der individuelle Bedarf ärztlich oder ernährungsmedizinisch abgeklärt werden.

Protein besser über den Tag verteilen

Es ist wenig sinnvoll, den gesamten Proteinbedarf erst mit einer einzigen Mahlzeit aufzunehmen. Eine große Portion Protein wird zwar nicht einfach ungenutzt wieder ausgeschieden – der Körper kann die enthaltenen Aminosäuren auch für andere Stoffwechselvorgänge oder zur Energiegewinnung verwenden. Für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur ist es jedoch günstiger, dem Körper über den Tag verteilt regelmäßig Protein zur Verfügung zu stellen.

Statt fast die gesamte Menge am Abend zu essen, können bereits Frühstück, Mittagessen und Abendessen jeweils eine Proteinquelle enthalten. Das können beispielsweise Magerquark, Joghurt, Hülsenfrüchte, Nüsse, Saaten oder eine pflanzliche Proteinquelle sein. Ein Proteinshake kann eine Mahlzeit ergänzen, wenn es im Alltag schwierig ist, den Bedarf über normale Lebensmittel zu erreichen.

Entscheidend sind also sowohl die gesamte Proteinmenge des Tages als auch eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf mehrere Mahlzeiten.

Brauchen Sportler automatisch mehr Protein?

Wer gelegentlich Sport treibt, benötigt nicht automatisch Proteinshakes. Nach Angaben der DGE besteht bei gesunden Erwachsenen, die höchstens etwa fünf Stunden pro Woche sportlich aktiv sind, normalerweise kein erhöhter Proteinbedarf.

Bei intensivem Kraft- oder Ausdauertraining kann das anders aussehen. Dann spielen Trainingsumfang, Belastungsintensität, Trainingsziel und Regeneration eine Rolle.

Entscheidend ist jedoch: Protein allein baut keine Muskeln auf. Dafür braucht der Körper einen entsprechenden Trainingsreiz, ausreichend Energie und Erholung.

Ein zusätzlicher Shake ohne passendes Training führt deshalb nicht automatisch zu mehr Muskelmasse.

Warum gibt es so viele High-Protein-Produkte?

Protein besitzt ein sehr positives Image. Es wird mit Fitness, Leistungsfähigkeit, einem schlanken Körper und einer gesunden Lebensweise verbunden. Dadurch ist der Begriff für das Marketing besonders attraktiv.

Die Bezeichnung „High Protein“ ist gesetzlich geregelt: Mindestens 20 Prozent des Energiegehalts eines solchen Lebensmittels müssen aus Protein stammen. Trotzdem sagt diese Angabe wenig über die Gesamtqualität des Produktes aus.

Interessant ist der Vergleich mit ganz gewöhnlichen Lebensmitteln: Magerquark enthält von Natur aus etwa 12 Gramm Protein pro 100 Gramm. Eine Portion von 250 Gramm liefert damit ungefähr 30 Gramm Protein – ganz ohne auffällige High-Protein-Werbung.

Manche speziell als „High Protein“ beworbenen Puddings oder Joghurts enthalten pro 100 Gramm sogar weniger Protein als ein herkömmlicher Magerquark. Die genauen Werte unterscheiden sich von Produkt zu Produkt. Das Beispiel zeigt aber: Ein Lebensmittel muss nicht ausdrücklich als High Protein gekennzeichnet sein, um viel Eiweiß zu liefern.

Ein High-Protein-Pudding kann viel Protein enthalten und gleichzeitig stark verarbeitet sein. Je nach Produkt kommen Süßstoffe, Aromen, Verdickungsmittel oder zahlreiche weitere Zutaten hinzu. Er ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl als ein herkömmliches Lebensmittel.

„High Protein“ bedeutet nicht automatisch:

  • zuckerarm
  • kalorienarm
  • wenig verarbeitet
  • nährstoffreich
  • für jeden notwendig

Deshalb lohnt sich immer ein Blick auf die vollständige Zutatenliste und die Nährwerttabelle. Dabei sollte man nicht nur die auffällige Werbung auf der Vorderseite betrachten, sondern den tatsächlichen Proteingehalt pro 100 Gramm vergleichen.

Ist zu viel Protein ungesund?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht mit Ja oder Nein beantworten.

Bei gesunden Erwachsenen ist nach aktuellem Wissensstand nicht eindeutig geklärt, ob eine langfristig erhöhte Proteinzufuhr die Nierenfunktion beeinträchtigt. Das ist allerdings kein Grund, dauerhaft möglichst große Mengen zu konsumieren. Wer seinen Bedarf bereits deckt, erzielt durch immer mehr Protein nicht automatisch einen zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen.

Menschen mit einer bestehenden Nierenerkrankung sollten ihre Proteinzufuhr unbedingt mit ihrem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft abstimmen.

Außerdem sollte ein sehr hoher Proteinanteil nicht dazu führen, dass andere wichtige Lebensmittel verdrängt werden. Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und pflanzliche Lebensmittel mit Ballaststoffen bleiben wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung.

Welche pflanzlichen Lebensmittel enthalten viel Protein?

Auch eine pflanzenbetonte Ernährung kann ausreichend Protein liefern. Gute pflanzliche Proteinquellen sind beispielsweise:

  • Linsen, Bohnen, Kichererbsen und Erbsen
  • Sojaprodukte
  • Hanfnüsse
  • Kürbiskerne und andere Saaten
  • Nüsse und Nussmus
  • Hafer, Dinkel und andere Getreidearten
  • Erbsen-, Reis- und Hanfprotein

Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse und Saaten liefern neben Protein noch weitere Bestandteile des ursprünglichen Lebensmittels – beispielsweise Ballaststoffe, Fette, Vitamine oder Mineralstoffe. Welche Nährstoffe genau enthalten sind, unterscheidet sich von Lebensmittel zu Lebensmittel.

Pflanzliche Proteine richtig kombinieren

Nicht jede pflanzliche Proteinquelle enthält die unentbehrlichen Aminosäuren in derselben Zusammensetzung. Durch eine abwechslungsreiche Ernährung können sich unterschiedliche Lebensmittel jedoch gut ergänzen.

Sinnvolle Kombinationen sind zum Beispiel:

  • Linsen mit Reis
  • Bohnen mit Mais
  • Hummus mit Vollkornbrot
  • Haferflocken mit Nüssen oder Saaten
  • Erbsenprotein mit Reisprotein

Die verschiedenen Proteinquellen müssen nicht zwingend innerhalb einer einzigen Mahlzeit gegessen werden. Entscheidend ist die ausgewogene Zusammenstellung der Ernährung über den Tag.

Sind Proteinpulver sinnvoll?

Proteinpulver sind weder Wundermittel noch grundsätzlich überflüssig. Sie sind zunächst konzentrierte Proteinquellen.

Wer seinen Bedarf problemlos über die normale Ernährung deckt, braucht meistens kein zusätzliches Pulver. Dennoch kann Proteinpulver in bestimmten Situationen praktisch sein – zum Beispiel:

  • bei intensivem Training und entsprechend erhöhtem Bedarf
  • wenn über die normalen Mahlzeiten nur wenig Protein aufgenommen wird
  • bei rein pflanzlicher Ernährung, wenn die Lebensmittelauswahl eingeschränkt ist
  • bei wenig Appetit
  • wenn eine Mahlzeit unkompliziert ergänzt werden soll
  • auf Reisen oder an besonders hektischen Tagen

Ein Proteinpulver sollte dabei nicht als Ersatz für eine abwechslungsreiche Ernährung verstanden werden. Es kann aber ein einfacher Baustein sein.

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Pflanzliche Proteinquellen im Überblick

Reisprotein, Erbsenprotein, Hanfprotein und Süßlupinenmehl unterscheiden sich in Geschmack, Konsistenz und Verwendung. Welche Proteinquelle am besten passt, hängt deshalb auch von den persönlichen Vorlieben ab.

Reisprotein
  • konzentrierte pflanzliche Proteinquelle
  • eher mild bis leicht getreidig im Geschmack
  • lässt sich gut in Shakes, Smoothies und Porridge verwenden
  • enthält vergleichsweise wenig Lysin
  • ergänzt sich deshalb gut mit Erbsenprotein
Erbsenprotein
  • konzentrierte pflanzliche Proteinquelle aus Erbsen
  • liefert unter anderem reichlich Lysin
  • leicht erdiger, für Erbsen typischer Geschmack
  • geeignet für Shakes, Suppen, Porridge und herzhafte Gerichte
  • lässt sich besonders gut mit Reisprotein kombinieren
Hanfprotein
  • wird aus Hanfsamen gewonnen
  • kräftiger, nussig-herber Geschmack
  • enthält je nach Verarbeitung neben Protein auch Ballaststoffe
  • passt gut in Smoothies, Müslis, Porridge und Backrezepte
  • meist weniger stark konzentriert als reine Protein-Isolate
Süßlupinenmehl
  • proteinreiches Mehl aus gemahlenen Süßlupinensamen
  • mild-nussiger bis leicht bohnenartiger Geschmack
  • eignet sich zum Backen, Kochen und Anreichern von Speisen
  • kann einen Teil des herkömmlichen Mehls in Rezepten ersetzen
  • ist weniger konzentriert als ein Protein-Isolat

Wichtig: Lupinen gehören zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen. Menschen mit einer Erdnussallergie können aufgrund möglicher Kreuzreaktionen ebenfalls empfindlich auf Lupinen reagieren.

Unser Fazit:
Es gibt nicht die eine perfekte pflanzliche Proteinquelle. Reis- und Erbsenprotein lassen sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Aminosäureprofile besonders gut kombinieren. Hanfprotein und Süßlupinenmehl sind weniger stark konzentriert, bringen dafür aber ihren eigenen Geschmack und – abhängig von der Verarbeitung – weitere Bestandteile des ursprünglichen Lebensmittels mit. Entscheidend sind der persönliche Bedarf, die Verträglichkeit und die gewünschte Verwendung.

Sieben verbreitete Mythen rund um Eiweiß

Rund um Protein halten sich einige Aussagen besonders hartnäckig. Manche enthalten einen wahren Kern, sind aber zu pauschal. Zeit für einen Faktencheck.

Mythos 1: Von viel Protein wird man automatisch muskulös

So einfach ist es nicht. Protein liefert zwar die Bausteine, die unser Körper für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur benötigt. Ohne einen entsprechenden Trainingsreiz entstehen dadurch aber keine größeren Muskeln.

Für den Muskelaufbau braucht es das Zusammenspiel aus regelmäßigem Krafttraining, ausreichend Protein, genügend Energie sowie Erholung und Schlaf.

Wer seinen Proteinbedarf bereits deckt, baut durch zusätzliche Shakes nicht automatisch mehr Muskeln auf. Mehr Protein ist kein Ersatz für Training.

Mythos 2: Frauen bekommen durch Protein und Krafttraining sofort riesige Muskeln

Auch das stimmt nicht. Ein sichtbar muskulöser Körper entsteht nicht versehentlich durch ein paar Trainingseinheiten und einen Proteinshake. Dafür sind gezieltes, langfristiges Training, eine entsprechende Ernährung und individuelle körperliche Voraussetzungen notwendig.

Krafttraining und eine ausreichende Proteinversorgung helfen Frauen vielmehr dabei, ihre Muskulatur aufzubauen oder zu erhalten. Das wird mit zunehmendem Alter besonders wichtig.

Mythos 3: Viel Protein schadet den Nieren

Diese Aussage ist zu pauschal. Bei gesunden Erwachsenen ist nach aktuellem Wissensstand nicht eindeutig geklärt, ob eine langfristig erhöhte Proteinzufuhr die Nierenfunktion beeinträchtigt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass unbegrenzt große Mengen notwendig oder automatisch gesund sind. Eine deutlich über dem Bedarf liegende Proteinzufuhr bringt nicht zwangsläufig zusätzliche Vorteile.

Anders sieht es bei einer bestehenden Nierenerkrankung aus. Betroffene sollten ihre Proteinmenge unbedingt ärztlich oder ernährungsmedizinisch abstimmen.

Mythos 4: Proteinpulver verursacht grundsätzlich Blähungen und Bauchschmerzen

Proteinpulver wird nicht von jedem Menschen gleich gut vertragen. Beschwerden müssen aber nicht zwangsläufig vom Protein selbst kommen.

Mögliche Auslöser sind beispielsweise:

  • Laktose in manchen Milchproteinprodukten
  • Zuckeralkohole und bestimmte Süßstoffe
  • Aromen, Verdickungsmittel oder andere Zusätze
  • sehr große Portionen
  • eine plötzliche Ernährungsumstellung
  • individuelle Unverträglichkeiten

Wer empfindlich reagiert, kann zunächst eine kleinere Portion ausprobieren und auf eine möglichst kurze Zutatenliste achten. Auch ein Wechsel der Proteinquelle kann helfen: Manche Menschen vertragen Reisprotein besser, andere kommen mit Erbsen- oder Hanfprotein gut zurecht.

Treten regelmäßig starke Beschwerden auf, sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.

Mythos 5: Pflanzliches Protein ist minderwertig

Pflanzliche Proteinquellen unterscheiden sich in ihrer Aminosäurezusammensetzung. Das macht sie aber nicht grundsätzlich minderwertig.

Durch Abwechslung und Kombination können sich unterschiedliche pflanzliche Proteine ergänzen. Klassische Beispiele sind Hülsenfrüchte mit Getreide oder Erbsenprotein mit Reisprotein.

Wer über den Tag verschiedene Hülsenfrüchte, Getreidearten, Nüsse und Saaten isst und insgesamt genügend Protein aufnimmt, kann seinen Proteinbedarf auch pflanzlich decken.

Mythos 6: Nach dem Training muss sofort ein Proteinshake getrunken werden

Das oft beschriebene „anabole Fenster“ ist weniger eng, als es häufig dargestellt wird. Man muss nicht innerhalb weniger Minuten nach dem Training zum Shake greifen.

Wichtiger ist, dass über den gesamten Tag ausreichend Protein aufgenommen und sinnvoll auf mehrere Mahlzeiten verteilt wird. Eine proteinreiche Mahlzeit oder ein Shake rund um das Training kann praktisch sein – zur minutengenauen Pflicht sollte daraus aber kein Stress entstehen.

Mythos 7: Je mehr Protein, desto gesünder die Ernährung

Ein hoher Proteingehalt allein macht ein Lebensmittel nicht gesund. Ein Produkt kann viel Protein enthalten und gleichzeitig stark verarbeitet, sehr süß oder arm an Ballaststoffen sein.

Außerdem kann eine extrem proteinbetonte Ernährung andere wertvolle Lebensmittel verdrängen. Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Saaten liefern viele weitere Nährstoffe, die der Körper ebenfalls benötigt.

Eine gute Ernährung sollte deshalb nicht nur nach der Proteinmenge beurteilt werden. Entscheidend ist das Gesamtbild.

Worauf sollte man bei Proteinpulver achten?

Der Protein-Hype hat viele Produkte hervorgebracht, deren Zutatenlisten erstaunlich lang sind. Wer ein Proteinpulver kaufen möchte, kann deshalb auf einige Punkte achten:

1. Die Zutatenliste

Ein Proteinpulver muss nicht zwangsläufig Aromen, Süßstoffe, Farbstoffe oder zahlreiche weitere Zusätze enthalten. Wer es schlicht mag, kann ein reines Pulver wählen und Geschmack sowie Süße selbst bestimmen.

2. Die Proteinquelle

Erbsen-, Reis- und Hanfprotein unterscheiden sich in Geschmack, Konsistenz und Aminosäureprofil. Es gibt nicht das eine Protein, das für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist.

3. Die Kombination

Erbsenprotein und Reisprotein lassen sich gut miteinander kombinieren, weil sich ihre Aminosäureprofile ergänzen.

4. Die Verträglichkeit

Nicht jedes Pulver wird von jedem Menschen gleich gut vertragen. Deshalb kann es sinnvoll sein, zunächst eine kleine Menge auszuprobieren.

Unsere Haltung bei Kraftmischer

Wir glauben nicht daran, dass plötzlich jedes Lebensmittel mit zusätzlichem Protein angereichert werden muss. Eine gute Ernährung entsteht nicht durch einen einzelnen Nährstoff und auch nicht durch ein großes Werbeversprechen.

Viel wichtiger sind Vielfalt, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel und eine Ernährung, die zum eigenen Körper und Alltag passt.

Gleichzeitig möchten wir Proteinpulver nicht pauschal schlechtreden. Pflanzliche Proteine können eine praktische Ergänzung sein – vorausgesetzt, man benötigt sie tatsächlich und betrachtet sie als Teil der gesamten Ernährung.

Genau deshalb bevorzugen wir klare Produkte, bei denen nachvollziehbar ist, was enthalten ist. Wer eine konzentrierte pflanzliche Proteinquelle sucht, kann beispielsweise Erbsen- oder Reisprotein verwenden. Wer lieber auf vollständige Lebensmittel zurückgreift, findet auch in Hanfnüssen, Kürbiskernen, Hülsenfrüchten, Saaten und Getreide wertvolles pflanzliches Protein.

Fazit: Protein ja – aber ohne Proteinwahn

Protein ist lebenswichtig und sollte in einer ausgewogenen Ernährung nicht zu kurz kommen. Der derzeitige Hype vermittelt allerdings schnell den Eindruck, wir seien grundsätzlich unterversorgt und müssten möglichst viele High-Protein-Produkte kaufen.

Für die meisten gesunden Erwachsenen lässt sich der tägliche Bedarf gut über normale Lebensmittel decken. Wer intensiv trainiert, älter wird oder seinen Bedarf im Alltag nur schwer erreicht, kann von einer bewussteren Auswahl proteinreicher Lebensmittel oder einem geeigneten Proteinpulver profitieren.

Die sinnvollere Frage lautet deshalb nicht: Wie bekomme ich möglichst viel Protein?

Sondern: Wie viel Protein benötige ich persönlich – und aus welchen Lebensmitteln möchte ich es aufnehmen?

Häufige Fragen zum Proteinbedarf

Wie viel Protein braucht man pro Tag?

Gesunde Erwachsene zwischen 19 und unter 65 Jahren benötigen laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung ungefähr 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Für gesunde Erwachsene ab 65 Jahren gilt ein Schätzwert von 1,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Kann man den Proteinbedarf pflanzlich decken?

Ja. Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Saaten und Sojaprodukte liefern pflanzliches Protein. Eine abwechslungsreiche Auswahl ist sinnvoll, da sich unterschiedliche pflanzliche Proteinquellen in ihrem Aminosäureprofil ergänzen können.

Braucht man Proteinpulver für den Muskelaufbau?

Nicht zwingend. Der Proteinbedarf kann auch über normale Lebensmittel gedeckt werden. Proteinpulver kann praktisch sein, wenn eine ausreichende Zufuhr über die täglichen Mahlzeiten schwierig ist. Für den Muskelaufbau bleiben ein entsprechender Trainingsreiz, ausreichend Energie und Erholung entscheidend.

Wird man durch viel Protein automatisch muskulös?

Nein. Protein liefert zwar die benötigten Bausteine für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur. Ohne einen passenden Trainingsreiz entstehen dadurch aber keine größeren Muskeln. Wer seinen Bedarf bereits deckt, baut durch zusätzliche Proteinshakes nicht automatisch mehr Muskelmasse auf.

Schadet eine proteinreiche Ernährung den Nieren?

Diese Aussage ist zu pauschal. Bei gesunden Erwachsenen ist nicht eindeutig geklärt, ob eine langfristig erhöhte Proteinzufuhr die Nierenfunktion beeinträchtigt. Menschen mit einer bestehenden Nierenerkrankung sollten ihre Proteinmenge unbedingt ärztlich oder ernährungsmedizinisch abstimmen.

Ist High Protein automatisch gesünder?

Nein. Die Bezeichnung beschreibt lediglich den Proteinanteil und nicht die gesamte Qualität eines Lebensmittels. Ein gewöhnlicher Magerquark enthält von Natur aus etwa 12 Gramm Protein pro 100 Gramm und damit teilweise sogar mehr als speziell beworbene High-Protein-Produkte.

Warum verursachen manche Proteinpulver Blähungen oder Bauchschmerzen?

Beschwerden müssen nicht zwangsläufig vom Protein selbst kommen. Mögliche Auslöser sind beispielsweise Laktose, Zuckeralkohole, Süßstoffe, Verdickungsmittel, sehr große Portionen oder individuelle Unverträglichkeiten. Oft hilft es, eine kleinere Menge oder eine andere Proteinquelle auszuprobieren.

Welches pflanzliche Proteinpulver ist am besten?

Das hängt von Geschmack, Verträglichkeit und Verwendungszweck ab. Reisprotein schmeckt eher mild, Erbsenprotein etwas kräftiger und Hanfprotein nussig-herb. Erbsen- und Reisprotein lassen sich gut kombinieren, weil sich ihre Aminosäureprofile ergänzen.

Meine persönliche Erfahrung mit Krafttraining und Protein

Ich bin inzwischen 50 Jahre alt und mache schon seit längerer Zeit regelmäßig Krafttraining. Über mehrere Jahre hinweg hatte ich allerdings das Gefühl, dass sich trotz meines Trainings nicht besonders viel veränderte.

Im vergangenen Jahr kam ich in die Menopause – und plötzlich fühlte sich vieles anders an. Zu Beginn hatte ich starke Muskelschmerzen, bekam eine Plantarfasziitis und merkte, dass mein Körper nach dem Training nicht mehr so regenerierte, wie ich es von früher kannte.

Ich begann deshalb, mein Training etwas umzustellen und bewusster auf meine Regeneration zu achten. Gleichzeitig nahm ich täglich einen selbst gemachten Proteinshake zu mir. Das Rezept für meinen Shake werde ich hier noch verlinken:

Zu meinem persönlichen Proteinshake-Rezept

Bei einer späteren Messung zeigte sich, dass ich meine Muskelmasse um rund drei Prozent steigern konnte. Das hört sich zunächst vielleicht nicht nach besonders viel an – für mich war der Unterschied aber deutlich sichtbar.

Natürlich kann ich nicht sagen, dass allein der Proteinshake dafür verantwortlich war. Wahrscheinlich war es das Zusammenspiel aus angepasstem Training, ausreichender Proteinzufuhr, bewusster Regeneration und mehr Aufmerksamkeit für die veränderten Bedürfnisse meines Körpers.

Meine Erfahrung hat mir vor allem gezeigt: Mit 50 muss ich nicht zwangsläufig weniger erreichen als früher. Ich muss meinem Körper nur genauer zuhören und ihm das geben, was er in dieser neuen Lebensphase benötigt.

– Martina Reminder, Kraftmischer

Quellen und weiterführende Informationen

Für die fachlichen Angaben in diesem Beitrag wurden unter anderem folgende Quellen verwendet:

Quellen zuletzt geprüft am 26. August 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung. Nährwerte können je nach Produkt und Hersteller abweichen. Maßgeblich sind die Angaben auf der jeweiligen Verpackung.

Martina Mitgrnderin Krafmischer_(1)

Über die Autorin

Martina Reminder ist Geschäftsführerin und Mitgründerin der Kraftmischer GmbH. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit natürlichen Lebensmitteln, pflanzlicher Ernährung und der Frage, wie sich eine bewusste Ernährung unkompliziert in den Alltag integrieren lässt.

Mit 50 erlebt sie selbst, wie sich die Bedürfnisse des Körpers in den Wechseljahren verändern können. Ihre persönlichen Erfahrungen mit Krafttraining, Regeneration und pflanzlichen Proteinquellen fließen deshalb ebenso in diesen Beitrag ein wie die fachlichen Informationen und angegebenen Quellen.

Martina Reminder
Kraftmischer GmbH